Akın – was euer Engagement bewirken kann

Ich habe immer die Geschichten anderer geschrieben, über das Leben anderer, die Ereignisse anderer. Ich vergaß den Wert meiner Geschichte die meiste Zeit, jedoch bin ich Journalist und meine Geschichte war irgendwo im Leben. Kriege, politische Konflikte, Druck gab es zu jeder Zeit auf der Welt. Es gab immer außergewöhnliche Zeiten in der Geschichte der Türkei und ihrer Opfer. Wir sind Opfer dieser Zeit. Wir sind Opfer des Mordes am Recht, der Freiheit, der Menschlichkeit.
Ich hatte auch Worte, die jemand nicht mochte. Und ich hatte Worte, die noch nicht gesagt worden waren. Wir haben viele Widrigkeiten gesehen. Meine schätzenswerte Frau ist nur ein unschuldiges Kind in meinem turbulenten Leben als Journalist. Dann wurden wir aus unserem Land weggerissen, da wir in der Türkei nicht frei sein konnten. Wir fanden uns in einem Land wieder, in dem wir die Sprache nicht konnten. In Deutschland haben wir aber wieder unserer Freiheit gefunden.
Ich will nicht länger darüber schreiben, weil es nicht das Thema dieses Artikels ist. Drei Monate nach Ankunft in Deutschland, wurden wir in ein kleines Dorf am Rücken der Alpen geschickt, ein Dorf, in dem es schöne Menschen und Aufrichtigkeit gibt. Wir waren in der Ungewissheit. Wir haben auf das Ergebnis unseres Asylantrags gewartet. Aus eigenem Antrieb haben wird in unserem 12m²-Zimmer versucht, die deutsche Sprache zu erlernen. Unser Asylantrag wurde 9 Monate später anerkannt. Ein paar Monate später, mit unseren eigenen Bemühungen und der Hilfe von ein paar Freiwilligen, bestanden wir die B1-Prüfung. Allerdings mussten wir mehr tun. Wenn wir in diesem Land leben wollen, müssen wir sehr gut Sprachkenntnisse haben.
Ich bewarb mich für ein Stipendium der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule. Ich wurde akzeptiert. Ich fand einen Kurs, wo ich die Sprache bis C1 lernen konnte. Aber der Kurs war in München. Die Strecke ist lang und anstrengend, aber ich hatte keine Wahl. Deutsch war nicht leicht zu lernen. Sein Reichtum beruht darauf, dass es nicht einfach ist. Aber das Reden ist schwerer für mich als das Schreiben.
Elif vom Münchner Flüchtlingsrat, die ich in einer Veranstaltung kennengelernt habe, brachte für meine Situation viel Verständnis auf und sagte „ich kann dir dabei helfen“. Eine Woche später habe ich von Ihr eine E-Mail über Sprachpartnerschaften bekommen. “Ich habe auch einen Sprachpartner für dich gefunden“ sagte sie in Ihrer E-Mail. Der Termin war Mittwoch, 2. Mai. Ich ging mit meinem nassen Mantel in das Büro in der Goethestraße an einem regnerischen Nachmittag hinein. Neben Elif stand eine Frau mit kurzen, kastanienbraunen Haaren. Ihr Gesichtsausdruck sagte mir „ich bin bereit zu helfen“. Ihr Name war Eva.
Wir schüttelten uns die Hände. Eva erfasste es zwar nicht in Worte, aber sie übermittelte aufrichtig aus ihrem Herzen „Willkommen in unserem Land, Willkommen in deinem neuen Land“. Wir haben uns verabredet, um uns eine Woche später am Marienplatz zu treffen. Wir treffen uns seitdem einmal pro Woche. Sie erzählt etwas mir, ich erzähl etwas ihr. Ich gehe mit Eva an viele Orte, die ich noch nie gesehen habe. Eva mochte nicht gerne bei regnerischem und kaltem Wetter draußen spazieren. Wir gingen die meiste Zeit während der Wintermonate in Cafés. Wir erzählen gegenseitig, was eine Woche lang über die neuen Entwicklungen in unserem Leben passiert ist. Sie ist ein erfolgreicher Ingenieur. Ich bin ein idealistischer Journalist. Manchmal sagte sie: „Wenn du doch ein Ingenieur wärst, könnte ich dir vielleicht mehr helfen.“ Wir haben den Sommer draußen verbracht. Manchmal legten wir unsere Füße in das kalte Wasser am Ufer der Isar, manchmal tranken wir Tee auf der Wiese im Englischen Garten, während wir über das Leben gesprochen haben. Ich erzählte ihr von unserer Kultur, sie erzählte von der deutschen Kultur und der Art, wie sie die Dinge betrachtete.
Eva und ich waren in verschiedenen Farben. Sie war bunter als ich, immer positiver. Vielleicht schaue ich mir das Leben wegen der dunklen Tage, die ich erlebt habe, grauer an. Sowieso wäre es langweilig, wenn es nur eine Farbe im Leben gäbe. Natürlich konnten wir uns nicht auf alles einigen. Vor allem waren unsere Vorstellungen von Integration manchmal anders. Aber wir haben und tragen gemeinsame Werte. Wir beide glauben an Menschenwürde, Demokratie, Vielfalt. Wir haben immer unseren Respekt gegeneinander behalten.
In der türkischen Kultur legt man viel Wert auf alte Menschen und der Respekt vor ihnen. Ich habe jede Woche nach Ihrer Familie gefragt. Ihre Mutter ist krank, und ihr Vater war oft krank. Ich denke, sie fand das zuerst seltsam, warum ich zuerst nach den Eltern fragte, aber sie hat dann verstanden, dass das unsere Kultur ist.
Man fühlt sich zunächst einsam. Aber dann macht man sich Hoffnungen auf die Existenz von Menschen, die die gleichen Werte teilen, die Wert auf die Menschenwürde legen, die versuchen, etwas für andere zu tun. Man sagt, ja selbst wenn man die gleiche Sprache nicht spricht, es gibt jemanden, der mich versteht. Kafka sagte an Milena so in seinem Brief, “der Mensch ist frei, wenn er allein ist.“ Aber ich habe mich mit Eva immer sicherer gefühlt.
Ich habe viele neue Wörter und Sätze von Eva gelernt. Sie hörte mir mit viel Geduld zu, wenn ich mit meinem gebrochenen Deutsch gesprochen habe. Sie hat meine Sprachfehler mit Sorgfalt korrigiert, ohne mich zu beleidigen. Sprachpartnerschaft ist nicht nur zu versuchen, die gleiche Sprache zu sprechen oder die Sprache zu verbessern; sondern die gleichen Werte zu teilen, in der gleichen Welt Leben und gemeinsame Emotionen zu fühlen. Sprachpartnerschaft ist nicht nur Deutsch, sondern in der Sprache der Menschheit zu sprechen.
Ich habe nicht nur gelernt, mit Eva zu reden. Eva ist nicht nur eine Sprachpartner für mich. Manchmal teilten wir unsere Traurigkeit, manchmal unsere Freude. Manchmal haben wir über heute gesprochen, manchmal über unsere Hoffnungen auf die Zukunft.
Meiner Meinung nach dachte Eva nicht nur: „Lass mich in meiner Freizeit Menschen helfen.“ Sie dachte pragmatisch. „In unser Land sind Tausende von Menschen gekommen, sie sind unsere Zukunft. Wir müssen sie in die Gesellschaft bringen und lernen zusammen zu leben.” sagte sie.
Kurz gesagt, wenn jeder, der von hier stammt, sein könnte wie Eva, wenn sie wenigstens versuchen würden zu verstehen, wäre heute keine der politischen Debatten, Krisen, soziale Konflikte über Flüchtlinge passiert.
Menschen, die den größten Respekt in der Welt verdienen, sind diejenigen, die etwas tun, ohne auf andere zu warten.