Ausstellung „DOES IT AFFECT YOU?“ zur Langen Nacht der Museen am 20.10.18

„DOES IT AFFECT YOU?“

Nach dem großen Willkommensgruß am Hauptbahnhof im Jahr 2015 hat die Betroffenheit der Münchner Zivilgesellschaft gegenüber der Menschen die nach München kamen um ein Leben in Frieden zu suchen stark nachgelassen. Es stellt sich die Frage, inwiefern jene Schicksale überhaupt noch berühren.
Menschen sollen auf kürzestem Rechtsweg in ihre persönlichen Höllen zurückgeflogen werden. In Länder, die vom Bayerischen Sessel aus als „sicher“ erschinen…
Aber nicht nur Themen der Geflohenen scheinen in den Hintergrund der kollektiven Betroffenheit gerückt zu sein. Auch Themen wie das Polizeiaufgabengesetz, das die gesamte Münchner Gesellschaft betrifft, scheinen die Menschen nicht sonderlich zu berühren.

„Does it affect you?“ steht für all die Themen, die es trotz größter Brisanz nicht mehr in unsere Herzen und Geister schaffen.

Diese und viele weitere Fragen um die persönliche, politische oder soziale Betroffenheit sollen in dieser Ausstellung die Möglichkeit bekommen auf diverse künstlerische Art und Weise dargestellt und thematisiert zu werden.

Das Konzept der Ausstellung ist zum einen als Plattform für die KünstlerInnen gedacht und zum anderen um einer großen Bandbreite von KünstlerInnen die Möglichkeit zu geben eine größere öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen.

Etwa ein Drittel der teilnehmenden KünstlerInnen haben einen Migrationshintergrund, ein Drittel sind nach München geflohene KünstlerInnen und ein Drittel sind „alteingesessene“ Münchner KünstlerInnen.

Mit diesem interkulturellen Ausstellungskonzept möchten wir Ihnen ein Panorama an diversen kreativen Blickpunkten zum Thema „Does it affect you?“ bieten.

Lassen Sie sich berühren!!

 

Am 20.10.18 ab 19:00 bis 02:00 Uhr

in der Goethestraße 53

Die KünstlerInnen:

Narges Kalhor – audiovisuelle Kunst
Emy on Mars – Installation
Claus Morlock – intuitives Live Painting
Omar Jola – intuitives Live Painting
Mokonzi Matondo – Malerei
Nanni Schiffl-Deiler – Videokunst
Sigi Morgen – Fotokunst
Mduduzi Khumalo – Installation
Solomon Musanah – intuitives Live Painting
Julia Nietzsche – Performance
Caroline Kapp – Performance
Abdul Gahni – Malerei
Julian Opitz – Karikaturen
Mahbuba Elham Maqsoodi – Malerei
Michael Acapulco – Installation
Aydin Alineyad – visuelle Kunst
Elli Abuhassan – Malerei
Michael Bischoff – Fotokunst
Über den Tellerrand kochen – kulinarische Verpflegung

Wir freuen uns auch Sie!!

Broschüre zur Langen Nacht

WARNUNG: Hinweis auf Abschiebung nach Afghanistan am 2.10.2018

Es gibt Hinweise darauf, dass heute, am 2.10.2018, der nächste Sammelabschiebeflug vom Münchner Flughafen aus nach Kabul stattfinden soll! Wichtige Informationen in den jeweiligen Sprachen findet ihr auf der Website des Bayrischen Flüchtlingsrates (https://www.fluechtlingsrat-bayern.de/).

03.10.2018 – Jetzt gilt’s! Gemeinsam gegen die Politik der Angst

03.10.2018, 13:00 Uhr, München, Odeonsplatz

Die Verabschiedung des neuen Polizeiaufgabengesetzes durch den bayerischen Landtag ist ein weiterer Schritt in Richtung einer autoritären Gesellschaft. Der Beschluss trotz des massiven Widerstandes in der Gesellschaft, hat nicht nur antidemokratische Tendenzen der amtierenden Landesregierung offenbart, sondern auch den unmittelbaren Abbau von Bürger*innen- und Menschenrechten in Bayern nach sich gezogen: Demonstrierende, Streikende, Gewerkschafter*innen, Journalist*innen, Anwält*innen, Geflüchtete, Linke und Migrant*innen sind seither noch stärker als bisher Repressionen und Überwachung ausgesetzt. Bezeichnend ist auch, dass es sich bei den elf Menschen, die seit Einführung der „Unendlichkeitshaft“ länger als 14 Tage in Polizeigewahrsam mussten, ausschließlich um Geflüchtete handelt. Das PAG war und ist deshalb ein zentraler Bezugspunkt der seit Monaten stattfindenden Proteste gegen die Politik der Staatsregierung und den allgemeinen Rechtsruck, der vom Wettstreit zwischen CSU und AfD angeheizt wird. Inzwischen ist es in Deutschland erschreckende Normalität, dass Faschist*innen in den Parlamenten und Sicherheitsbehörden sitzen und Menschen von einem rassistischen Mob durch die Straßen gehetzt werden.

Aber unser Protest geht weiter. Wir verstehen den Widerstand gegen das Polizeiaufgabengesetz als Teil einer tiefgreifenden gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung, die nicht nur Bayern, sondern Deutschland und ganz Europa erfasst hat. Nationalismus und Rassismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, Antifeminismus und LGBTIAQ*-Feindlichkeit sind Facetten eines rechtsautoritären Gesellschaftswandels. Dieser drückt sich nicht nur in direkten Angriffen auf marginalisierte Gruppen aus, sondern findet auch auf staatlicher Ebene immer krassere Formen, unter anderem durch AnkER-Zentren, die Einrichtung des bayerischen Landesamts für Asyl und Rückführungen, Kriminalisierung von Seenotrettung, weiterhin stattfindende Abschiebungen nach Afghanistan und die Verabschiedung des sogenannten bayerischen Integrationsgesetzes. Darüber hinaus instrumentalisiert die Staatsregierung religiöse Symbole, kriminalisiert aber gleichzeitig das Kirchenasyl. Während derzeit in vielen Bundesländern Polizeigesetze verschärft werden, die Überwachung ausgebaut und somit Stärke demonstriert wird, ist das Sozialsystem von Schwäche gekennzeichnet: Millionen Menschen leiden darunter, dass viel zu wenig investiert wird, etwa in Pflege, Gesundheit, Wohnen, Kinderbetreuung und Bildung. Diesen Verhältnissen stellen wir uns entschieden entgegen. Der derzeitige Zustand in Bayern ist unhaltbar.

Wir treten gemeinsam für eine offene und solidarische Gesellschaft ein, in der Menschenrechte unteilbar und vielfältige und selbstbestimmte Lebensentwürfe selbstverständlich sind. Das neue PAG ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einer rechtsautoritären Staatlichkeit, die droht politische Veränderungen in diese Richtung unmöglich zu machen. Unser Ziel ist und bleibt deshalb die Rücknahme der Änderungen des PAG durch die Gesetze vom 24.7.2017 und 18.5.2018. Darüber hinaus stellen wir uns entschieden gegen jede bereits beschlossene und jede weitere Maßnahme, in der der Rechtsruck zum Ausdruck kommt. Alle Parteien, die jetzt gemeinsam mit uns kämpfen, fordern wir auf, hier auch nach der Landtagswahl keine Kompromisse einzugehen.

Wir stellen uns gemeinsam dem Rechtsruck mit allen verfügbaren Mitteln entgegen – gegen eine Politik der Angst!

Wir fordern:

  • Rücknahme der Änderungen des PAG aus dem August 2017 und Mai 2018 sowie des Bayerischen Integrationsgesetzes
  • Individuelle Kennzeichnungspflicht für Polizist*innen und unabhängige Untersuchungsstelle für Polizeigewalt und andere Vergehen
  • Rückbau von Videoüberwachung und anderen Überwachungsmaßnahmen, keine Staatstrojaner
  • Keine Abschiebungen in Kriegs- und Krisengebiete (z.B. Afghanistan), Abschaffung sog. „ sicherer Herkunftsländer“, keine Zusammenarbeit mit despotischen Regimen zur ‚Flüchtlingsabwehr‘
  • Keine Kriminalisierung von Seenotrettung und Kirchenasyl sowie die Abschaffung der AnkER-Zentren

Dafür demonstrieren wir am 3. Oktober 2018 in München, um vor der Landtagswahl ein deutliches Zeichen zu setzen.

Zugangsverbot des Infobus: Pressemitteilung des Münchner Flüchtlingsrates vom 10.09.18

Regierung von Oberbayern hemmt bürgerschaftliches Engagement und damit unabhängige Asylverfahrensberatung – Landtagsabgeordnete Christine Kamm zu Besuch beim ausgesperrten „Infobus“.

Die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter des „Infobus für Flüchtlinge“ haben seit Januar 2018 keinen Zugang zu den Erstaufnahme- und ANKER-Einrichtungen. Da das von der Regierung von Oberbayern verhängte Zugangsverbot gegen unionsrechtliche Vorgaben verstößt, hat der Münchner Flüchtlingsrat, vertreten durch Rechtsanwalt Hubert Heinhold, Klage eingereicht. Während sich das Klageverfahren beim Verwaltungsgericht hinzieht, wird das langjährige bürgerschaftliche Engagement vieler Infobus-Mitarbeiter erschwert und den Asylsuchenden ihr Recht auf eine unabhängige Asylverfahrensberatung verwehrt.
Als Kooperationsprojekt des Münchner Flüchtlingsrates und amnesty international wurde der Infobus 2001 gegründet. Das von der Landeshauptstadt München und der UNO-Flüchtlingshilfe geförderte Projekt berät Geflüchtete direkt nach ihrer Ankunft muttersprachlich zum Asylverfahren. Im letzten Jahr konnten über 2570 Asylsuchende von dem niederschwelligen Beratungsangebot profitieren. Um dem kafkaesken Asylverfahrensprozess entgegenzuwirken, setzen sich vor allem viele Ehrenamtliche beim „Infobus“ ein. Die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter, die sich teils seit Projektbeginn engagieren und Geflüchtete unabhängig zum Asylverfahren beraten, sind empört und fühlen sich kriminalisiert. „Dass die Regierung von Oberbayern nach über 15 Jahren Projektarbeit dem Infobus aus vorgeschobenen «Brandschutz- und Sicherheitsgründen» den Zugang zu den Erstaufnahme- und ANKER-Einrichtungen verwehrt, reiht sich in die momentane Hetzkampagne der bayerischen Politik ein“, so Projektleiterin Elisabeth Fessler. Während das Infobus-Team vor dem Zugangsverbot mit dem Büromobil auf das Gelände der Unterkünfte fahren konnte, steht das Infomobil nun in unmittelbarer Nähe zu teils stark befahrenen Straßen – je nach Parkplatzsituation. Die Beratung in einem geschützten Raum ist so für Geflüchtete nicht mehr möglich. Die asylpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Christine Kamm, besucht den ausgesperrten Infobus am 10.09.2018 für eine Beratungsstunde und solidarisiert sich damit mit dem Projekt. Christine Kamm dazu: „Der Zugang zu unabhängiger Rechtsberatung während des Asylverfahrens ist kein Gnadenrecht, sondern bindende EU-Norm und damit Basis unseres Rechtsstaats. Die willkürliche Beschneidung dieses Rechts und die Behinderung der so wertvollen ehrenamtlichen Arbeit des Infobus-Teams durch die Regierung von Oberbayern habe ich bereits auf politischer Ebene scharf kritisiert und einen entsprechenden Antrag zur Aufhebung des Zugangsverbots eingebracht. Den juristischen Weg sehe ich aufgrund der aktuellen Unverbesserlichkeit der CSU im Bereich der Asylpolitik als sehr sinnvoll an.“ Der Münchner Flüchtlingsrat hofft auf eine baldige Gerichtsverhandlung und einen positiven Ausgang der Klage, damit die unabhängige Asylverfahrensberatung wieder so effektiv wie möglich gestaltet werden kann.

 

Hier könnt Ihr zu diesem Thema einen Radiobeitrag des Bayrischen Rundfunks hören.