Aufnahme aus Moria – jetzt!
Pressemitteilung 09.09.2020

Letzte Nacht sind Großteile des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos abgebrannt. In dem Lager lebten zuletzt ca. 13.000 Menschen bei einer Kapazität, die nur auf 2.800 Personen ausgerichtet ist. Schon seit Jahren machten die Menschen dort selbst und zahlreiche Organisationen auf die menschenunwürdigen Bedingungen aufmerksam. Aber spätestens seit Ausbruch der globalen Pandemie war klar, dass hier Menschen wissentlich gezwungen werden, unter Bedingungen zu leben, unter denen Social Distancing, regelmäßiges Händewaschen und der Schutz von Risikogruppen vollkommen unmöglich ist. Am 2. September gab es den ersten offiziell bestätigten Corona-Fall in Moria – seitdem ist die Zahl auf 35 gestiegen. Als Reaktion darauf wurde das Lager pauschal unter Quarantäne gestellt – ohne dass klar war, wie eine Versorgung der Menschen gewährleistet sein sollte.
Zahlreiche Kommunen in Deutschland haben sich bereits vor Monaten bereit erklärt, Menschen aus den Lagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen. Anfang Juli wurde im Bayerischen Landtag über ein Landesaufnahmeprogramm für Geflüchtete von den griechischen Inseln abgestimmt. Aus diesem Anlass hatte der Münchner Flüchtlingsrat eine 24-stündige Mahnwache vor dem Landtag abgehalten. Der Antrag wurde abgelehnt mit dem Verweis, dass Bayern keinen Sonderweg einschlagen solle und es eine europäische Lösung brauche.
„An der jetzigen Situation zeigt sich, dass Europa nicht in der Lage ist, Lösungen zu finden. Was letzte Nacht auf Lesbos passierte, ist keine unvorhergesehene Katastrophe – es ist das Resultat einer menschenverachtenden europäischen Flüchtlingspolitik. Jetzt braucht es schnelle kommunale Aufnahmemöglichkeiten für Geflüchtete“, sagt Hannah Sommer, Mitarbeiterin des Münchner Flüchtlingsrates.