Unterkunft

Flüchtlinge, die unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, müssen in Bayern prinzipiell in staatlichen Gemeinschaftsunterkünften wohnen. Das gilt u.a. auch für Opfer von Menschenhandel oder Zwangsprostitution, Alte, Kranke und Behinderte.

In den letzten Jahren gab es hier einige Veränderungen:

Als Konsequenz aus einem Expertenhearing im Landtag im Jahr 2009 dürfen

  • Flüchtlinge, die ihren gesamten Lebensunterhalt aus eigenem Einkommen bestreiten können,
  • Familien mit minderjährigen Kindern nach der Entscheidung des BAMF über den Asylantrag, und
  • Alleinstehende und Einzelpersonen 4 Jahre nach der Entscheidung des BAMF über den Asylantrag

ausziehen und privat wohnen, wenn sie außerdem eine Reihe weiterer Bedingungen erfüllen (v.a. Erfüllung der „Mitwirkungspflicht“).AsylbgesetzBaracke

Seit die Flüchtlingszahlen wieder steigen, die Bezirksregierungen aber kaum mehr Flächen für große Gemeinschaftsunterkünfte finden, haben sie die Landkreise zur Unterbringung der Flüchtlinge verpflichtet. Dort findet sich eine breite Palette an Quartieren: Flüchtlinge werden in Wohnhäusern, stillgelegten Gasthöfen, Pensionen, aber auch in Tennishallen untergebracht. Vielfach (aber bei weitem nicht immer) ist die Qualität besser als in den staatlichen Gemeinschaftsunterkünften, doch liegen die Häuser oft isoliert oder in kleinen Siedlungen ohne vernünftige Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Staatliche Gemeinschaftsunterkunft

Seit 2010 gibt es in Bayern Leitlinien (pdf zum Runterladen) zur Ausgestaltung von GUs. Neue Unterkünfte sollen diese einhalten, bestehende nach und nach angepasst werden. Danach sollen

  • pro Person 7 qm reine Wohnfläche (ohne anteilige Küche, Flur, Bad)
  • für 5 – 7 Personen ein Waschbecken
  • für 10 Personen eine Dusche und ein WC-Platz
  • für je 8 Personen 4 Kochplatten
  • pro Person ein Stuhl plus „Tischanteil“ sowie ein abschließbarer Spind und ein Bettplatz
  • pro Person 20-30 l „Kühlvolumen“

zur Verfügung stehen.

AsylbgesetzKuecheStVeit

Gemeinschaftsunterkunft – das heisst

  • das Zimmer mit der ganzen Familie oder gänzlich fremden Menschen teilen
  • zu den Essenszeiten Gedränge um die KochplattenBayernkaserne Fenster
  • keinerlei Privatsphäre
  • keine Ruhe
  • äußerst beengte Verhältnisse v.a. für die Kinder
  • oft weite Wege zu den Toiletten (besonders nachts ein Problem für Frauen und Kinder)

Gemeinschaftsunterkunft – das heisst auch:

  • Keine Besuche nach 22.00 Uhr
  • Nächtliche Razzien – z.B. zum Aufspüren von „Fremdschläfern“ Bayernkaserne Halle
  • „Wohnlage“ Lage in Gewerbegebieten
  • Heruntergekommene Gebäude, Baracken, Container

Und das über Jahre!

In München

gibt es derzeit

  • das „Ankunftszentrum“ in der Baierbrunner Straße, wo die erste Registrierung und ein Gesundheitscheck Asylsuchenden durchgeführt werden
  • die Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne (für diese gelten die „Leitlinien“ nicht) mit mehreren Außenstellen
  • 10 staatliche Gemeinschaftsunterkünfte mit durchschnittlich über 200 Plätzen

Spätestens 2015 wird eine Reihe neuer Gemeinschaftsunterkünfte eröffnet werden. Leider werden auch wieder „Provisorien“ wie Baracken und Container (freundlicher „Modulbauweise“ genannt) aufgestellt. Die Zeiten niedrigerer Flüchtlingszahlen wurden nicht genutzt, ansprechendere Wohnformen zu entwickeln.

Die aktuelle Planungen für München finden Sie hier.

Betreuung

Wenn Menschen von Amts wegen unter derartigen Lebensbedingungen untergebracht werden, ist eine Kücheprofessionelle soziale Betreuung unbedingt erforderlich. Früher war in allen Münchner GUs zu den üblichen Bürozeiten ein Sozialarbeiter oder Sozialarbeiterin vor Ort. Diese Präsenz wurde immer mehr zurückgefahren. In einigen Unterkünften gibt es nur noch stundenweise professionelle Betreuung. In den Unterkünften, die in den letzten beiden Jahren im Umland entstanden sind, ist die Betreuungssituation teilweise noch desolater. Die dezentrale Unterbringung führt dazu, dass die BetreuerInnen viel Zeit auf dem Weg zwischen den Unterkünften verbringen.

Praktisch überall finden sich Ehrenamtliche, die sich mit vielfältigen Aktivitäten bemühen, den Alltag der Flüchtlinge zu verbessern. Doch die ehrenamtliche Arbeit darf nicht Ersatz für professionelle Betreuung sein.