Gemeinsame Pressemitteilung von LeTra, Bayerischer Flüchtlingsrat und Münchner Flüchtlingsrat - München 02. Dezember 2025
Pressemitteilung: Lesbische Geflüchtete akut von Abschiebung nach Pakistan bedroht
Die Lesbenberatungsstelle LeTRa beklagt Menschenrechtsverletzungen von
Schutzsuchenden.
Die 23-jährige Areesha I. ist seit 21.11.25 in der Abschiebehaftanstalt Hof eingesperrt. Da
ihr Asylantrag abgelehnt wurde, ist sie nun akut von Abschiebung nach Pakistan bedroht.
"Dass Schutzsuchende in Deutschland weggesperrt werden, ist ein Skandal und eine
Bankrotterklärung an die Achtung von Menschenrechten", kommentiert Julia Serdarov,
Mitarbeiterin der Geflüchtetenberatung der lesbisch-queeren Beratungsstelle LeTRa.
Als Areeshas Familie von ihrer lesbischen Beziehung erfuhr, wurde die College-Absolventin
brutal geschlagen und mehrere Tage eingesperrt. Ihr Onkel versuchte sie zu erwürgen. Als
sie zwangsverheiratet werden sollte, verhalf ihr ihre Mutter zur Flucht nach Kirgistan. Doch
auch dort konnte sie ihre lesbische Identität nicht frei von Diskriminierung und Ausgrenzung
leben. Somit flüchtete sie weiter nach Deutschland.
Am 22.10.25 kam sie am Münchner Flughafen an und wurde sofort im Transitbereich
inhaftiert. Ohne eine unabhängige Rechtsberatung und Vorbereitung auf ihr Asylinterview
wurde sie zu ihren Fluchtgründen befragt. Ihr Antrag wurde wegen vermeintlicher
Unglaubwürdigkeit abgelehnt. "Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnt im
Moment etwa 95 Prozent der Asylanträge von geflüchteten Queers ab, die bei uns in
Beratung sind. In den Ablehnungsbescheiden lesen wir immer dieselben Textbausteine und
fadenscheinige Begründungen. Wem glaubt das BAMF überhaupt noch, dass sie queer
sind?" fragt Julia Serdarov von LeTRa.
Areesha I. ist psychisch extrem instabil. Sie hatte in Pakistan bereits einen Suizidversuch
unternommen, hier wurde sie nach knapp einem Monat in Transithaft wegen
Suizidgedanken in die psychiatrische Klinik in Taufkirchen (Vils) gebracht, wo sie jedoch die
ganze Zeit von zwei Polizeibeamten überwacht wurde - an eine Stabilisierung war unter
diesen Umständen nicht zu denken. Aus der kbo wurde sie dann direkt einer Haftrichterin
vorgeführt und im Anschluss in die Abschiebehaft Hof gebracht. Seitdem berichtet sie
täglich von Panikattacken. Julia Serdarov: "Wie mit unserer Klientin umgegangen wurde, ist
unfassbar! Ihr wurden grundlegende Rechte wie auf eine medizinische Versorgung und ein
gerechtes Asylverfahren verwehrt. Wir fordern die sofortige Freilassung von Areesha!"
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